Leider scheint ein Polyesterlaminat nur auf den ersten Blick wasserdicht. Es sind im molekularen Laminat des Polyesters genügend Wege und Löcher vorhanden, durch die Feuchtigkeit von außen nach innen gelangen (diffundieren) kann. Dies ist kein Vorgang von heute auf morgen, sondern erstreckt sich über Jahre hinweg. Dabei setzen die einzelnen Schichten des Beckenkörpers der eindringenden Feuchtigkeit unterschiedliche Widerstände entgegen.
Die wasserdichteste Schicht ist das GelCoat. Diese sollte nie beschädigt sein, denn sonst können Wasser und Feuchtigkeit ungehindert direkt in das Laminat gelangen. Dass Feuchtigkeit langsam in das Polyester eindringt ist eigentlich nicht schlimm, wenn das Laminat perfekt wäre, das heißt, komplett ohne Lufteinschlüsse und Luftblasen laminiert ist.
Aber selbst die perfektesten Kunststoffbauer können kein Laminat liefern, das absolut blasenfrei ist. Und jetzt kommt das eigentliche Problem: In diesen Blasen können sich Reste von ungehärtetem Harz, Härter und Binder aus Glasmatten befinden. Das durch das GelCoat in das Laminat diffundierende Wasser (Wassermoleküle) löst in diesen Blasen diese Rückstände auf. Die Konzentration dieser Rückstände ist in der dabei entstehenden Flüssigkeit höher als in der Umgebung des Laminates. Nun setzt der Osmose-Prozess ein - die unterschiedlichen Konzentrationen versuchen sich auszugleichen. Da aber die reinen Wassermoleküle kleiner sind als die Moleküle der Lösung, können diese auch leichter und schneller durch das Laminat wandern. Die Blasen mit den aufgelösten Rückständen entziehen dem Laminat in der Umgebung die Feuchtigkeit und sammeln diese in den Blasen an. Wenn die Blasen voll sind, üben sie Druck aus, die typischen Osmoseblasen im GelCoat entstehen.
Für eine Osmose-Sanierung wird das vorhandene GelCoat von dem Beckenkörper abgenommen. Es gibt mehrere Verfahren, ein GelCoat vom Beckenkörper abzunehmen. Sandstrahlen, flexen, schleifen, mit Hitze abschälen oder mit der Spezialfräse. Die Spezialfräse hat gegenüber allen anderen Varianten uneingeschränkt den Vorteil, dass diese nach dem Abschälen eine absolut plane Oberfläche hinterlässt (die Frästiefe kann genau eingestellt und beim Fräsen eingehalten werden) und den Einsatz von Füllmaterialien (Spachtel) auf ein Minimum reduziert.
Wenn die Osmose so stark fortgeschritten ist, dass das Laminat nach dem abfräsen stark geschwächt oder durch einzelne Blasennester zu dünn ist, müssen zusätzlichen neuen Laminatschichten aufgebaut werden. Dies ist in den meisten Fällen nicht nötig, da eine Osmosesanierung in aller Regel weit vor diesem Stadium ausgeführt wird. Ganz wichtig ist, dass vor dem Neuaufbau das offene Laminat gut und kräftig mit Wasser ausgewaschen wird, um Säure und Harzrückstände restlos zu entfernen und dass das Laminat vor dem Neuaufbau absolut trocken ist. Dies kann mit speziellen Messgeräten überwacht werden.
Wichtig ist beim Aufbau des Beckenkörpers, dass das nötige Füllmaterial (Spachtel) direkt nach der Versiegelung des offenen Laminates und nicht erst am Ende aufgebracht wird, damit dieses dann durch den anschließenden Neuaufbau in mehreren Schichten ebenfalls absolut wasserdicht abgedeckt ist. Selbstverständlich muss das Füllmaterial (Spachtel) ebenfalls auf Epoxy-Basis sein.